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Die ersten Tage in Tainan (14. August 2003)

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Der Flug war anstrengend! 14 Stunden in einem engen Sitz... da Taiwan von China ja als "abtrünnige Provinz" angesehen wird, musste der Flieger einen großen Bogen schlagen um nicht über China fliegen zu müssen. Nach sechs Stunden Aufenthalt in Taibei ging's dann weiter nach Tainan, wo wir mit dem Bus vom Flughafen abgeholt wurden.
Ich fühlte mich sofort "zu Hause" als ein Polizist sich mit dem Busfahrer zu streiten anfing, ob der Bus denn nun dort parken dürfe oder nicht... nach 10 Minuten Gezeter nickten sich beide höflich an und das Problem war aus der Welt geschafft.

Wir sind eine Gruppe von 10 deutschen Informatikstudenten (mit oder ohne Bindestrich) und haben uns von Anfang an alle sehr gut verstanden, obwohl wir uns gegenseitig eigentlich nicht kannten.




Tainan ist eine Stadt mit 1,83 Millionen Einwohnern (laut Reiseführer), mindestens genauso vielen Mopeds und vielen Geschäften und Restaurants. Auf den ersten Blick hat mich vieles an China erinnert, aber trotzdem merkt man sofort, dass man sich in einem anderen Land befindet.
Die Stadt gilt außerdem als diejenige mit den meisten historischen Kulturgütern - im 17. Jahrhundert kam die Holländer hierher und man kann noch heute Spuren (z.B. alte Forts) von ihnen sehen. Inzwischen ist Tainan vor allem bekannt wegen der vielen Tempel, die man fast in jeder Strasse finden kann.
Ein wirkliches "Stadtzentrum" habe ich noch nicht entdeckt... vielmehr denkt man in jeder Strasse, dass man sich in einem Einkaufsviertel befindet. Auch in der Nähe meines Wohnheims finden sich unzählige Läden.
In meinem Wohnheim müssen Männer übrigens draußen bleiben...

Die ersten sieben Tage wurden wir von unseren "Babysittern" regelrecht an der Hand genommen, bis zum frühen Nachmittag hatten wir meist Sprachkurs (ich wurde kurzerhand zum "assistant teacher" erklärt...) oder kurze Vorträge über die Kultur hier in Taiwan.
Abends und am Wochenende erkundeten wir die Stadt, mal mit öffentlichen Bussen, mal mit Fahrrad. Großes Staunen bei unseren taiwanesischen Begleitern gab es, als wir am Strand unsere Badeklamotten anzogen und uns in die Wellen stürzen. Obwohl Taiwan eine Insel ist, ist Baden höchst ungewöhnlich.

Da Florian & ich die einzigen mit Chinesischkenntnissen waren, musste ich desöfteren auf Hilferufe wie "Edith, kannst du das mal fragen...", "Edith, was heisst das denn...", "Edith, komm mal bitte schnell..." reagieren, war aber selbst ganz glücklich, dass das mit der Sprache noch so gut klappt. Immerhin hatte ich fast ein Jahr lang kaum Übung! Ein paar Mal passierten in punkto Essensbestellung doch noch ein paar Fehler, aber geschmeckt hat es dann doch meistens - auch wenn statt Nudeln Fischbällchen geliefert wurden. ;-)



Das Essen... ein Traum! Teilweise schmeckt es wie in China, oft aber ganz anders - vor allem gibt es fast immer sehr viele Meeresfrüchte und Fisch, Delikatessen wie Garnelen mit Ananas oder frittierte Austern.
Auch hier gilt desöfteren die Devise: Mit seinem Essen spielt man! Auf einem Nachtmarkt versuchten sich so Christian und Florian mehr oder weniger erfolgreich am Garnelen fischen:
In einem Riesenbottich krabbeln jede Menge Garnelen und die müssen zunächst mit einer kleinen Angel herausgefischt werden. Die Schwierigkeit bestand dabei, dass man den sehr lose befestigten Haken nicht verliert, bevor man mindestens eine Garnele in einen Eimer befördert hat... hat man genug vom Angeln, spiesst die Verkäuferin alle Garnelen auf einen Holzspiess (wo die Garnelen weiterzappeln) und anschließend darf man sie selber auf einem kleinen Grill rösten.... nichts für Tierschützer aber köstlich für Genießer!
Wunderbar ist auch das viele Obst, aus dem dann Fruchtsäfte und Milchshakes hergestellt wird... einen Tag ohne Papayamilche, Mangosaft, frisch gepressen Limonen ist unvorstellbar!

Gleich am zweiten Tag saßen wir mit ein paar Taiwanesen (unseren "Babysittern") in der Mensa und auf einmal meint mein Nachbar: "That was an earthquake" (das war ein Erdbeben)... wie bitte? Ich hatte mich gerade über mein leckeres Huhn hergemacht und wirklich nicht mal eine kleines Wackeln bemerkt. Aber er meinte das tatsächlich ernst... seitdem erwarte ich mit Spannung das nächste kleine Beben und hoffe, dass ich es dann auch merke!

Es wird nicht mehr lange dauern, dann erkläre ich die Taiwanesen zum nettesten Volk, das ich bisher kennengelernt habe. Ganz anders als in China, wird man auf der Strasse praktisch nie komisch angequatscht, auf den Märkten muss man sich keine Verkäufer vom Leib halten und nie erntet man komische Blicke. Ich habe das Gefühl, dass es hier ganz egal ist, welche Sprache man spricht und woher man kommt - alle werden gleich behandelt.
Als ich einen Studenten kennen lernte und ich ihm erzählte, dass ich gerne ein Fahrrad hätte, da bot er mir kurzerhand sein eigenes Fahrrad an und übergab mir ohne Zögern den Schlüssel. Hat man etwas nicht verstanden, wird es eben noch mal gesagt - selbst wenn es dann immer noch fünf Minuten dauert, bis man Bescheid weiss.

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