Es gibt zwar in Taiwan eine Eisenbahn, die führt aber eigentlich nur an der Küste entlang einmal um die ganze Insel herum. Busse gibt es auch, aber das Netz ist nicht so gut wie in anderen Ländern. Wenn man sich also einbildet, man möchte in etwas abgelegenere Gebiete, bleibt einem nur ein Verkehrsmittel: der Scooter.
Scooter sind Mopeds in allen Farben und Grössen, laut knatternd, manchmal auch etwas leiser... in der Stadt auf jeden Fall das schnellste Verkehrsmittel.
Maolin liegt etwa 100 Kilometer von Tainan entfernt und schon halb in den Bergen, also empfahl uns die Scooter-Vermieterin, dass wir uns größere Scooter ausleihen sollten: 125cc. In meinem Führerschein steht zwar drin, dass ich nur 50cc fahren darf, aber das interessiert hier herzlich wenig und mit 300 Kuai (keine 10 Euro) Gebühr pro Tag zögerten wir nicht lange.
Samstag Morgen, nach einem reichhaltigen Frühstück, ging es - knatter knatter - los... nach ein paar Kilometer hat man den Dreh raus und es macht richtig Spaß, mit dem Scooter durch die Gegend zu düsen.
Ab und an machten wir an einem Tempel oder einer sonstigen Sehenswürdigkeit Halt, und nach vier Stunden durch kleine Dörfer, über Hügel und etwas Abgas in der Lunge kamen wir in Maolin an.
Maolin ist eine von vielen "National Scenic Areas" hier in Taiwan, in der man angeblich noch die ursprünglichen Einwohner von Taiwan zu Gesicht bekommt.... na ja! Auf jeden Fall ist es ein sehr schönes sehr kurviges Flusstal inmitten grüner Hügel. Wir düsten erst mal bergauf in das höchste Dorf Duona und suchten uns dort eine Bleibe. Obwohl es nur sehr wenige Hotels gibt, gar kein Problem! Unser Zimmer war sauber, auch wenn es zwischen Wohnzimmer und Küche der Gastgeber lag aber genau das machte es auch sehr sympathisch.
Unsere erste Wanderung (zu einem Wasserfall) fiel leider regelrecht ins Wasser, als es während einem kleinen Imbiss in einem sehr netten Restaurant Sturzbäche zu regnen begann. Eine Stunde später hatten wir den Wasserfall auf der Strasse und wir sassen weiter in dem Restaurant, während die dazugehörige Familie langsam ihre Kinder und sich selbst ins Bett brachte. Nach einem zweiten Essen bei einer Betelnuss-kauenden Frau wurde es dann allerdings besser und wir konnten uns noch mal auf unsere Scooter setzen und die groß angekündigten heißen Quellen suchen.... nach vielen Serpentinen auf und ab fanden wir uns auf einer Art Campingplatz wieder und auch die heißen Quellen waren da: traumhaft! Neben einem rauschenden Fluss waren ein paar Becken gemauert, in die das heiße Wasser geleitet wurde - durch Beimischen von Flusswasser gab's sogar Becken mit unterschiedlicher Temperatur. Abwechselnd baden im rauschenden Fluss (wo man sich an Seilen festhielt um nicht weggespült zu werden), dann wieder in die heißen Quellen und das, bis man beinahe einschlief. Abgesehen davon strömten immer mehr Chinesen zu den Quellen und als wir gingen, glich das Areal einer Brutstätte von Möwen... nur dass die Möwen Taiwanesen in Badeanzügen und mit Bierdose in der Hand waren! Ein sehr lustiger Anblick. Die drei Ausländer waren natürlich mal wieder Gesprächsthema Nr. 1, aber die Leute sind hier einfach sehr nett und unterhalten sich gerne mit Fremden, noch dazu wenn die auf einmal sagen: "Ich verstehe Chinesisch!".
Wir kauften uns auch noch ein paar Dosen Bier und setzten uns nach der Heimfahrt auf die Mauer vor unserem Hotel.... bis eine Gruppe Touristen den Weg neben uns runter ins Tal lief und Micha auf die Idee kam, doch auch mal nach zu sehen, wo der Weg denn hinführe... als wir unten im Tal ankamen, trauten wir unseren Augen kaum: wir waren an den heissen Quellen! Da wo wir 30 Minuten mit den Scootern hingegurkt waren, konnte man auch in 20 Minuten hinlaufen! ;-) Wir nahmen auf die leichte Schulter, kauften uns noch ein paar Dosen Bier, und machten uns auf den Weg zurück ins Bett!
Am nächsten Morgen wollten wir eigentlich früh aufbrechen um noch ein bisschen Wandern zu gehen, aber irgendwie machte uns der Fluss im Tal immer wieder einen Strich durch die Rechnung: kaum waren wir eine halbe Stunde den Fluss entlang gewandert entschieden wir uns doch für ein kühles Bad. Der nächste Versuch einer Wanderung endete an einem kleinen Wasserfall oder vielmehr im Wasserfall...
Als es auf der Rückfahrt zum Regnen anfing, machten wir noch mal Pause in einem Restaurant, hatten dann aber Glück, da wir offenbar immer genau vor dem Gewitter herfuhren. Zwar blitzte und donnerte es die ganze Zeit, der Regen erreichte uns aber erst, als wir unsere Scooter in Tainan wieder abgegeben hatten! Die Heimfahrt war teilweise auch nicht immer spassig: im Dunkeln auf der Landstrasse mit vielen Autos auf einem Moped ist dann doch nicht so spannend!