[14. August]     [22. - 24. August]     [26. August]     [30./31. August]     [10./11. September]     [12./13. September]    

12./13. September, Wanderung auf den Guanshan

*durch klicken auf die Fotos erhält man eine größere Version*



Obwohl Taiwan klein ist, gibt es hier die mit höchsten Berge in ganz Südost-Asien, sehr viele Gipfel sind höher als 3000m, der höchste Gipfel Yushan ist 3952m hoch. Leider ist Bergsteigen aber nicht besonders beliebt bei der Bevölkerung, außerdem braucht man für Wanderung überhalb 3000m eine sogenannte "Mountain Permit", die man nur als Gruppe ab vier Leuten und mit anerkanntem Bergführer erhält. Da sich unter uns Deutschen aber nur drei entschlossene Wanderer fanden und wir keine Lust auf Reisegruppe hatten, entschieden wir uns für einen etwas "unbekannteren" Berg, um gar nicht erst kontrolliert zu werden. Außerdem lässt sich von Tainan aus der South Cross Island Highway, eine Bergstraße, die den Westen und Osten der Insel verbindet, erreichen und so machten wir den Berg Guanshan (3666m) zu unserem Ziel.

Zwar erklärten uns alle taiwanesischen Freunde für verrückt (Wandern? Nein! Das ist zu gefährlich!) aber schließlich fand ich in einem Buchladen sogar eine Wanderkarte. Laut Karte gab eine Hütte auf 3026m zum Übernachten, das Wetter sollte auch schön bleiben, für alle Notfälle kauften wir uns jeder noch einen billigen Schlafsack und ein paar wasserdichte Müllsäcke und so taumelten wir am Freitag Morgen verschlafen Richtung Bus, der uns nach Tianchi brachte.
In Tianchi angekommen, wanderten wir frohen Mutes noch ein paar Kilometer auf der Straße, bevor wir die Treppe Richtung Gipfel erreichten. In einem Reisebericht aus dem Internet hatten wir schon gelesen, dass diese Treppen nicht unanstrengend seien und so war es denn auch: zwei Stunden lang eine Stufe und noch eine Stufe und noch eine und noch eine... zum Teil waren die Stufen höher als breit und hat man noch so kurze Beine wie ich, kommt man schnell ins Schwitzen. An der Hütte angekommen, trafen wir eine chinesische Wandergruppe, die uns willkommen hieß und mitteilte, dass der Aufstieg zum Gipfel ca. 5 Stunden dauern würde. Ursprünglich hatten wir vor, auf der Hütte zu übernachten und am nächsten Tag ganz hoch zu laufen - es war aber erst 14 Uhr, wir noch halbwegs fit, das Wetter schön... warum nicht weiterlaufen und weiter oben übernachten, Schlafsäcke hatten wir ja?!
Weiter ging es steil bergauf, zunächst durch einen dichten Bambuswald; nie hätte ich gedacht, dass ich auf über 3000m so viel Bambus zu sehen bekomme. Dann weiter durch einen Wald mit gewaltigen Bäumen, viele davon sicher mehrere hundert Jahre alt. Rechts hätte man teilweise ins Tal hinabsehen können, leider zogen aber Wolken auf, so blickte man nur in einen Haufen Watte. Während Martin voraus spurtete, merkte ich die Höhe und trottete so zusammen mit Christoph wesentlich langsamer hinterher. Eigentlich hätte ich nicht erwartet, dass mir die Höhe so schnell etwas ausmachen würde - schließlich trat in La Paz die Höhenkrankheit immer erst in der Nacht ein. Als es langsam dunkel wurde, hatten wir die Baumgrenze zwar schon hinter uns gelassen, der Gipfel war aber noch ein gutes Stück entfernt.
Da ich inzwischen Kopfweh hatte, suchten wir uns einen Schlafplatz im Gebüsch... Martin war schon oben auf dem Gipfel und entschied sich, dort zu übernachten. So heiter das Wetter noch ein paar Stunden zuvor war... kurz nachdem wir uns in T-Shirts, Pullis, Jacken, Hosen, Schlafsack und Plastiktüten als Biwak-Ersatz eingemummelt hatten, fing es zu regnen an, am Horizont sah man Blitze... mir war ziemlich übel und entschied mich für "Augen zu und durch".
Die Nacht wurde sehr lang, zum Glück kam das Gewitter aber nicht bis zu uns und irgendwann hörte auch der Regen auf, so dass ich zumindest am Schluss noch bisschen Schlaf hatte.
Um halb sechs weckte mich Christoph für den Sonnenaufgang. Das machte die Nacht schon fast wieder lohnenswert: über den anderen Gipfeln sah man die berühmte taiwanesische "Sea of Clouds", tatsächlich schienen die Wolken über die anderen Gipfel hinweg zu fließen während alles in einer rotes Licht getaucht war! Ich hatte zwar immer noch Kopfweh, aber mir war nicht mehr schlecht und nach einer Tafel Schokolade und einer Schmerztablette konnten wir weiter Richtung Gipfel um dort Martin zu treffen.
Die letzte Passage zum Gipfel musste man klettern, von den anderen Wandergruppen waren aber reichlich Seile angebracht worden. Auf halbem Wege der Kletterei trafen wir einen nassen Martin, der in der Nacht noch mehr gefroren hatte und so verzichtete ich auf die letzten 50 Höhenmeter und wir drehten um. So wichtig war mir der Gipfel dann auch wieder nicht!

Eigentlich wollten wir für den Abstieg einen anderen Weg wählen, der auf unserer Wanderkarte eingezeichnet war, leider existierte der aber nicht und so entschieden wir uns, zunächst wieder zur Hütte abzusteigen. Dort sollte es dann einen anderen Weg zurück nach Tianchi geben, so dass wir nicht die Stufen nehmen mussten.
Ab der Hütte ging es aber erst noch einmal auf 3115m hoch, bevor wir dann einem imaginären Weg hinunter ins Tal folgten. Von einem "Weg" konnte man tatsächlich nicht sprechen, wir konnten uns eigentlich nur an die roten Fähnchen halten, die an den Bäumen angebracht waren - die taiwanesische Wegmarkierung. Auf halben Wege (wen wundert es?) fand sich kein Fähnchen mehr und wir standen etwas ratlos im Wald... Wir entschieden uns für die Variante "nach unten" und kamen bald and einen Bach, der eigentlich nur zur Straße führen konnte.
Nach einigen anfänglichen Klettereien, wurde das Flussbett etwas breiter und wir machten uns Hoffnung, den Bus zurück nach Tainan noch zu erwischen - immerhin hatten wir noch über eine Stunde Zeit. Eine Stunde später fing die richtige Kletterei erst an: wir waren an einem ca. 10m hohen Wasserfall angekommen und uns blieb nichts anderes übrig, als uns durch das Dickicht am Rand zu schlagen. Ich vertraute auf das Schilfgras (auch wenn man sich daran die Hände aufschnitt) und fühlte mich manchmal ein bisschen wie Tarzan, der sich durch den Urwald schlägt. Nach einer weiteren Stunde, einigen doch etwas gefährlicheren Kletterstellen, vielen Kratzern, blauen Flecken und schon etwas mutlos, konnten wir nicht anders, als einfach weiter zu klettern - zurück konnten wir nur schlecht.
Und tatsächlich! Endlich sahen wir unten die Straße und auch der letzte Wasserfall ließ sich relativ leicht bewältigen... bis Tianchi brauchten wir nicht mehr lange und dank Martin fand sich auch ein Pärchen, das uns mit ihrem Auto nach Tainan zurück brachte. Zwar war der Fahrer schlimmer als jeder Taxifahrer mit Heckspoiler, aber schließlich kamen wir heil an und ich freute mich auf die wohltuendste Dusche seit langem!

Sonntag morgen wachte ich auf und fühlte jeden einzelnen Knochen... also entschieden wir uns für gemütliches "Tempel Hopping": Scooter mieten und von einem Tempel zum nächsten fahren, anschließend an den Strand und heim ins Bett!



[nach oben]

[14. August]     [22. - 24. August]     [26. August]     [30./31. August]     [10./11. September]     [12./13. September]